Verleger Jörg Schröder ist tot

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Der Verleger und Schriftsteller Jörg Schröder ist im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Schröder wurde vor allem bekannt als Gründer und Leiter des März-Verlags, aber auch als Buchgestalter und Grafiker.

Nach einer Buchhandelslehre arbeitete er unter anderem beim Verlag Kiepenheuer & Witsch und wechselte ab 1965 als Lektor und Verlagschef zum angeschlagenen Melzer-Verlag, dessen Verlagsprogramm er mit jungen deutschen Autoren, niederländischen Schrifstellern, Victor Klemperers Lingua Terti Imperii und Texten von Fidel Castro und Che Guevara stark erweiterte. Die Sanierung gelang ihm schließlich mit dem Verkaufsschlager “Die Geschichte der O”, einem sadomasochistischen Roman.

Nach Auseinandersetzungen mit Joseph Melzer gründete Schröder im März 1968 den März-Verlag sowie etwas später die Olympia Press GmbH. Als “denkwürdigsten und wichtigsten März-Titel” bezeichnete Schröder später im taz-blog Schröder & Kalender das Aufklärungsbuch “Sexfront” von Günter Amendt, “weil es eine ganze Generation glücklicher machte”. 400.000 Exemplare habe er davon verkauft, zwei Millionen Leser erreicht, schrieb Schröder.

Ökonomisch wurde die Gründung und Finanzierung von März und Olympia Press durch die hohen Auflagen des “Porno-Verlags” Olympia-Press-Erotica ermöglicht, die auch mit ihrem späteren Programm von ihrem Ruf als Verlag verfemter Autoren wie Samuel Beckett, Henry Miller oder Vladimir Nabokov profitieren konnte. Das März-Programm galt hingegen als geprägt von der “Originalität, de[m] künstlerische[n] Instinkt und ganz und gar undogmatische[n] Geist”des Verlegers Jörg Schröder, wie die FAZ 1972 schrieb.

Nach einem Rechtsstreit musste der März-Verlag 1973 Konkurs anmelden, 1974 gründete Schröder ihn als GmbH neu, wobei Zweitausendeins bis 1980 den Vertrieb übernahm. Seit 1981 arbeitete Schröders Lebensgefährtin Barbara Kalender mit im Verlag. 1987 erlitt Schröder zwei Herzinfarkte, der Verlag musste liquidiert werden. Das für die deutsche Nachkriegsliteratur und die 68er-Bewegung bedeutsame Verlagsarchiv übernahm das Deutsche Literaturarchiv Marbach.

“Wir waren ein Kugelmensch”

In den vergangenen 40 Jahren arbeiteten Schröder und Kalender sehr eng zusammen, wie Kalender in ihrem Nachruf schreibt: “Wir waren ein Kugelmensch, jenes von Platon überlieferte mythische Wesen mit kugelförmigen Rumpf, vier Händen und vier Füßen und zwei Gesichtern, die in unterschiedliche Richtungen blickten. Das gab uns Kraft und Wagemut für alles, was wir in Angriff nahmen.”

Neben seiner Tätigkeit als Verleger, Buchgestalter und Schriftsteller traten Jörg Schröder und Barbara Kalender mit zahlreichen Aktionen gegen Profitdenken in der Kultur hervor. Eine davon waren die März-Stände für die Frankfurter Buchmesse, darunter vor allem den “Bücherberg”.

Jörg Schröders Asche werde in Berlin-Niederschönhausen beigesetzt, der Termin werde noch bekannt gegeben, teilte Kalender mit.

Icon: Der Spiegel

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